FREDI 0-3: Frühkindliches Entwicklungsdiagnostikum für Kinder von 0-3 Jahren

Interview mit Prof. Dr. Claudia Mähler


Die meisten Kleinkinder entwickeln sich ganz normal. Wenn aber tatsächlich Entwicklungsdefizite vorliegen, sollten sie so früh wie möglich festgestellt werden. Nur so können rechtzeitig Fördermaßnahmen angeboten und die Chancen von Kindern, die in ihrer Entwicklung verzögert sind, erheblich verbessert werden. Für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren wurde zu diesem Zweck ein neuer Entwicklungstest konzipiert: der FREDI 0-3.

Die Maus Fredi begleitet die Kinder durch die Testung.


Wozu wird der FREDI 0-3 benötigt?

Der FREDI 0-3 ist ein allgemeiner Entwicklungstest, der die Entwicklung von Kindern ab der Geburt bis zur Vollendung des dritten Lebensjahrs (0 bis 36 Monate) erfasst. Er enthält Fragen und Aufgaben zu den Bereichen Motorik, Sprache, kognitive Entwicklung und sozial-emotionale Entwicklung. Anhand von Normen kann der individuelle Entwicklungsstand eines Kindes beurteilt werden.

Wie läuft eine Testung mit dem FREDI 0-3 ab?

Der FREDI 0-3 enthält kleine Beobachtungsaufgaben, die ein Testleiter mit dem Baby oder Kleinkind durchführt, sowie Fragen, die die Eltern beantworten. Es wird jeweils festgestellt, ob ein Kind bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten bereits besitzt. Die gelösten Aufgaben werden addiert und zu den Normen für die jeweilige Altersstufe in Beziehung gesetzt. Eine Untersuchung dauert je nach Alter des Kindes zwischen 20 und 60 Minuten.

Von wem kann der FREDI 0-3 eingesetzt werden?

Der FREDI 0-3 kann überall dort eingesetzt werden, wo frühkindliche Entwicklungsdiagnostik durchgeführt wird: beim Kinderarzt, in Sozialpädiatrischen Zentren, in Neuropädiatrischen Zentren, in Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxen, in Frühförderstellen, in Erziehungsberatungsstellen. Die Durchführung erfordert von den verantwortlichen Personen (Ärzte, Psychologen, Ergotherapeuten, Erzieher usw.) eine genaue Kenntnis der Durchführungsanleitungen und einen guten Kontakt zum Kind.

Wann ist der Einsatz des Tests angezeigt?

Entwicklungsdiagnostik kommt in der Regeln dann zum Einsatz, wenn Bezugspersonen (Eltern, pädagogische oder medizinische Fachkräfte) sich Sorgen um die Entwicklung eines Kindes machen. In diesem Fall ermöglicht der FREDI 0-3 eine allgemeine Einschätzung des aktuellen motorischen, sprachlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklungsstandes. Sollen einzelne Entwicklungsbereiche vertieft untersucht werden, sind spezifische Entwicklungstests hinzuzuziehen.

Es gibt ja schon eine Reihe von Entwicklungstests. Besteht überhaupt die Notwendigkeit, ein weiteres Verfahren anzubieten? Was ist das Besondere am FREDI 0-3?

Der FREDI 0-3 wurde auf der Basis aktueller entwicklungspsychologischer Kenntnisse entwickelt. Er hatte zum Ziel, mit ansprechenden Materialien eine leichte Durchführbarkeit zu erreichen. Vor allem enthält er Normen von einer ausreichend großen Stichprobe deutscher Kinder.

Die Testung von Kindern zwischen 0 und 3 Jahren ist sicher eine Herausforderung. Wie geht man damit um, wenn Kinder nicht mitmachen oder abgelenkt sind? Gibt es einen besonderen Trick, wie man ihr Interesse an den Aufgaben weckt?

Testdiagnostik mit Kleinkindern erfordert generell Erfahrung im Umgang mit dieser Altersgruppe. Im FREDI 0-3 spielt zudem eine Handpuppe (die Maus Fredi) mit, die dabei hilft, die Aufmerksamkeit des Kindes immer wieder zu gewinnen.

Wie sind Sie auf die Maus Fredi gekommen? Sollte die Maus von Anfang an wie der Test heißen, oder hat sich das einfach so ergeben?

Ehrlich gesagt, kann ich mich daran nicht mehr wirklich erinnern. Wir wollten gern eine Maus als Maskottchen, weil es auch einige Aufgaben mit Mäusen gibt, und das ließ sich dann gut verbinden.

Wie geht es weiter, wenn das Testergebnis vorliegt? Können konkrete Förderempfehlungen abgeleitet werden?

Wenn im FREDI 0-3 tatsächlich Entwicklungsrückstände eines Kindes aufgedeckt werden, überlegen die beteiligten Fachleute, welche Maßnahmen sinnvoll sein können. Das kann von Physiotherapie über Ergotherapie oder Logopädie bis zu umfangreicher Frühförderung gehen.

Die Testentwicklung ist ja eine große Herausforderung, die einen langen Atem und hohen Einsatz erfordert. Welche besonderen Anforderungen haben sich während der Arbeiten am FREDI 0-3 herauskristallisiert?

Eine besondere Herausforderung war es natürlich, eine ausreichend große Stichprobe von Babies und Kleinkindern zu bekommen. Wir haben auf verschiedenen Wegen „Werbung“ für die Teilnahme an der Studie gemacht, bei Kinderärzten, in Kindertagesstätten, per Post usw. Anfangs meldeten sich einige begeisterte Eltern, aber es gab auch viel Skepsis gegen Untersuchungen mit so kleinen Kindern. Das hat uns zunächst große Sorgen bereitet. Als dann aber einige Familien teilgenommen hatten und sehr angetan waren und zudem eine sehr positive Pressemeldung erschien, schlug die Stimmung um und das Telefon klingelte ununterbrochen, weil sich sehr viele Familien anmelden wollten. Was uns dabei deutlich geworden ist: wie viele Eltern, vor allem Mütter, sich (ganz unnötige!) Sorgen um den Entwicklungsstand ihrer Kinder machen!

Ein Test lässt sich nicht von heute auf morgen entwickeln. Wie viel Zeit ist vergangen von der ersten Idee bis zur Abgabe des fertigen Manuskriptes?

Ich habe dem Verlag im Oktober 2010 ein Exposé für die Entwicklung des FREDI 0-3 vorgelegt, und das war schon eine ganze Weile nach der ersten Idee. Die meisten Arbeiten waren dann im Sommer 2014 beendet, aber erst im Frühjahr 2015 waren alle Bausteine des Manuskripts wirklich fertig.

Wie fühlt es sich an, das fertige Produkt in den Händen zu halten?

Noch habe ich es nicht in den Händen gehalten, aber ich stelle es mir GROßARTIG vor! Man sieht, was man mit allen Beteiligten zusammen geschafft hat!

Würden Sie sich grundsätzlich noch einmal an eine Testentwicklung wagen?

Auf jeden Fall. Wir würden manches gleich von Anfang an anders machen, einige Sackgassen weglassen, einige Felsen umschiffen – aber in vielen Phasen hat es auch viel Spaß gemacht und uns alle sehr bereichert!

 

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